Nach dem Rückbau mit Trennwand-Entfernung und neuem Boden stand für uns der nächste große Schritt im Ausbau an: der Einbau eines Gurtbocks und von Unterflurtanks. Beides sind wesentliche Meilensteine, die aus dem reinen Transporter ein ausbaufähiges Wohnmobil machen. In diesem Artikel beschreibe ich die Hintergründe unserer Entscheidung, den Ablauf bei der Firma Heinrich in Zeilingen und einige praktische Probleme, die dabei aufgetreten sind.
Transparenz-Hinweis: Ich habe keine Kooperation mit dieser Firma.
Warum ein Gurtbock?
Ab Werk verfügt der Peugeot Boxer über drei Sitzplätze im Fahrerhaus. Man hätte also auch die Trennwand beibehalten und zu dritt vorne fahren können. Komfortabel war das durchaus, auch mit Kindersitz war die Zweier-Sitzbank akzeptabel. Allerdings ergaben sich zwei klare Nachteile:
- Der Ausbau im hinteren Bereich wirkte mit Trennwand weniger luftig. Vor allem die drehbaren Vordersitze und der damit verbundene Wohnraum fehlten.
- Das Kind saß in der Mitte, direkt neben Schalthebel und diversen Bedienelementen – aus unserer Sicht keine optimale Lösung.
Deshalb haben wir uns für den Ausbau der Trennwand (siehe vorheriger Artikel) und die Nachrüstung eines Gurtbocks im Wohnraum entschieden.
Recherche und Entscheidung
Die Suche nach der richtigen Lösung war umfangreicher, als ich erwartet hatte. Einige Überlegungen stellten sich schnell als Sackgasse heraus:
- Doppelkabinenbusse: Haben zwar Rückbänke ab Werk, diese sind aber groß, unflexibel und in der Praxis nicht in den Ausbau integrierbar.
- Schienensysteme: Sehr flexibel, aber deutlich teurer als ein fester Gurtbock.
Am Ende blieb der Gurtbock als sinnvollste Lösung. Wir haben uns für ein Modell der Firma Reikon entschieden, das über Wohnmobile Heinrich vertrieben wird. Ausschlaggebend waren:
- vergleichsweise günstiger Preis,
- fachgerechter Einbau vor Ort,
- deutlich niedrigere Kosten als vergleichbare Angebote in Österreich,
- und die Tatsache, dass Eigenmontage für eine spätere Typisierung nicht praktikabel gewesen wäre.
Ein zusätzlicher Vorteil: Die Firma Heinrich verfügt über Schablonen und weiß exakt, wo gebohrt werden muss, um den Gurtbock an den Fahrzeugträgern zu befestigen. Ohne diese Hilfsmittel wäre ein präziser Einbau kaum möglich gewesen.
Der Ablauf vor Ort
Den Termin habe ich vorab telefonisch und per E-Mail fixiert. Am Vortag bin ich nach Zeilingen gefahren und habe am kostenlosen Stellplatz beim Schwimmbad übernachtet. Am nächsten Morgen konnte ich das Fahrzeug pünktlich abgeben und die Arbeiten beginnen lassen.
Neben dem Gurtbock haben wir gleich weitere Bauteile mitbestellt und einbauen lassen:
- Unterflurtanks für Frisch- und Abwasser (je ca. 80 Liter).
- Polster und Sperrholzverkleidung für den Gurtbock.
- Sitze von Aguti und Sportscraft.
Die Sitze und ihre Besonderheiten
Da wir Drehkonsolen verbauen wollten, war die Sitzhöhe ein Thema. Die Aguti-Sitze haben den Vorteil, dass sie flacher bauen und dadurch die zusätzliche Höhe der Drehkonsolen kompensieren. Beim Fahrersitz konnte ich so das originale Sitzgestell beibehalten, was sich später als praktisch erwies, da dort die Batterie eingebaut werden konnte. Der Beifahrersitz erhielt ein niedrigeres Gestell von Sportscraft, was die Sitzposition für meine Frau angenehmer machte.
Ein Problem ergab sich bei den Polstern: Firma Heinrich vertreibt die Rückbankpolster in einem Design, das eigentlich auf die Original-Fiat-Sitze abgestimmt ist. Für die verkauften Aguti-Sitze gibt es dieses Design jedoch nicht. Uns wurden irrtümlich auch Polster für die Vordersitze mitverkauft, die nicht passten. Die Rückgabe war möglich, aber es war anschließend schwierig, ein farblich passendes Ersatzprodukt zu finden. Wir haben das erst nach Fertigstellung des Ausbaus bemerkt, da wir davon ausgegangen waren, dass Sitze und Polster zusammenpassen. Letztlich konnten wir das Problem über einen Zulieferer lösen und haben nun maßangefertigte Sitzbezüge. Sie sind nicht ganz so passgenau wie Originalpolster, erfüllen aber ihren Zweck ausreichend gut.
Hinweis: Durch den Ausbau der originalen Zweier-Sitzbank muss der Stecker für die Sitzplatzerkennung (Gurtstraffer/Airbag-System) mit einem Airbag-Widerstand gebrückt werden. Das ist ein sicherheitsrelevanter Punkt, den ich in einem separaten Artikel noch detailliert beschreiben werde.
Unterflurtanks
Die beiden Unterflurtanks für Frisch- und Abwasser fassen jeweils rund 80 Liter. Der große Vorteil: Der Innenraum bleibt frei von sperrigen Tanks. Allerdings ergab sich ein technisches Problem: Bei meinem Transporter war die Abgasführung anders gelöst als bei den ab Werk ausgebauten Wohnmobilen. Der Endtopf reichte weiter nach hinten, sodass der Einfüllstutzen zunächst nicht montiert werden konnte. Erst nachdem ich das Endrohr gekürzt und seitlich herausgeführt hatte, war genug Platz für die korrekte Montage.
Übernachtung vor dem Einbau
Die Nacht vor dem Termin habe ich am Stellplatz in Zeilingen verbracht. Der Platz ist kostenlos und direkt beim Schwimmbad gelegen – praktisch für alle, die dort Arbeiten durchführen lassen. Die Übernachtung zeigte allerdings noch einmal deutlich: Ohne Dämmung ist es im Fahrzeug kalt und feucht. Die Wände waren morgens voller Kondenswasser. Ein normaler Zustand für einen ungedämmten Kastenwagen, aber ein guter Hinweis, wie wichtig eine spätere Dämmung ist.
Finanzielle Aspekte: NOVA in Österreich
Durch den Einbau des Gurtbocks und die Entfernung der Trennwand wurde unser Fahrzeug von einem Nutzfahrzeug zum Wohnmobil. Das hat nicht nur technische, sondern auch steuerliche Folgen. In Österreich wird dadurch die Normverbrauchsabgabe (NOVA) fällig. Sie berechnet sich nach Fahrzeugwert und CO₂-Emissionen, und zwar im Jahr der Umtypisierung – nicht im Jahr der Erstzulassung.
Für uns war es ein Glück, dass der 2,0 HDI-Motor einen niedrigen Verbrauch hat. Dennoch war die NOVA ein erheblicher zusätzlicher Kostenpunkt, den man als österreichischer Ausbauer unbedingt einplanen sollte. Für Leser aus Deutschland ist dieser Abschnitt weniger relevant, da dort andere Regelungen gelten.
Fazit
Der Einbau des Gurtbocks und der Unterflurtanks war ein technischer Meilenstein. Damit war das Fahrzeug erstmals in einer Konfiguration, die eine spätere Typisierung als Wohnmobil ermöglichte. Von „fertig“ oder „Campinggefühl“ konnte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keine Rede sein – das Fahrzeug war weiterhin im Rohbauzustand. Aber es waren die ersten sicherheits- und zulassungsrelevanten Bauteile verbaut, auf die alles Weitere aufbauen konnte.
- Drei Sitzplätze vorne sind praktikabel, aber für Familien auf Dauer keine gute Lösung – ein Gurtbock schafft Sicherheit und Raumgefühl.
- Doppelkabinenbusse sind für Selbstausbauten kaum geeignet, Schienensysteme teuer – Gurtbock ist meist die beste Wahl.
- Einbau bei Fachfirmen spart Zeit und sorgt für TÜV-Abnahmefähigkeit.
- Beim Entfernen der Zweierbank: Airbag-Stecker beachten – Brücke mit Widerstand notwendig.
- Unterflurtanks sparen Platz, können aber durch Auspuffführung behindert sein – Einbau vorher prüfen.
- Österreich: NOVA-Kosten bei Umtypisierung unbedingt einkalkulieren.
Im nächsten Artikel geht es um den Einbau von Fenstern und Dachluken: welche Modelle wir gewählt haben, warum die Wölbung beim Einbau problematisch war und wie sich die Fenster im Alltag bewährt haben.