Die Entscheidung für ein Basisfahrzeug ist wahrscheinlich die wichtigste Weichenstellung beim Camperausbau. Hat man einmal gekauft, bestimmt das Fahrzeug alle weiteren Schritte: die Ausbauweise, den Komfort, die Möglichkeiten zur Auflastung und nicht zuletzt auch die Reiseerfahrungen für viele Jahre. Bei uns führte der Weg vom Wohnwagen bis hin zum Peugeot Boxer L3H2 – und dieser Artikel beschreibt, warum wir uns genau so entschieden haben, welche Stolpersteine wir auf dem Weg gefunden haben und was wir im Nachhinein anders machen würden.
Damit wird dieser Beitrag nicht nur eine kleine Geschichte über unseren eigenen Camper, sondern auch ein Ratgeber für alle, die gerade vor derselben Entscheidung stehen. Denn am Ende sind es die vielen kleinen Erfahrungen, die darüber entscheiden, ob man langfristig zufrieden ist.
Vom Wohnwagen zum Kastenwagen – warum wir wechseln mussten
Unser Ausgangspunkt war ein Wohnwagen. Für den Dauercampingplatz war er die ideale Lösung: viel Platz, eine vollständige Ausstattung, feste Möbel und ein richtiges Zuhause auf Rädern. Solange wir dort einen festen Stellplatz hatten, war das perfekt.
Doch als wir den Stellplatz aufgegeben haben, hat sich der Nachteil schnell gezeigt: Mit einem Wohnwagen ist man nicht flexibel. Jede Reise begann damit, dass wir zum Stellplatz fahren mussten, um den Wohnwagen zu beladen. Spontane Wochenenden oder Städtetrips waren kaum möglich, und für Kurztrips war er schlicht zu unpraktisch.
Damit stand für uns fest: Ein kompakteres Fahrzeug musste her – flexibel genug für Reisen und Alltag, gleichzeitig mit genügend Platz für uns drei.
Suche am Markt – Serienmodelle passten nicht
Wir haben uns zunächst auf dem Markt für neue und gebrauchte Kastenwagen bekannter Hersteller umgesehen. Doch die Auswahl war ernüchternd:
- Nach Corona waren Gebrauchte extrem rar.
- Neufahrzeuge hatten Lieferzeiten von einem Jahr und mehr.
- Verfügbar waren fast nur ehemalige Mietfahrzeuge, die am Ende der Saison verkauft wurden.
Von diesen kamen einige infrage, hatten aber für uns entscheidende Nachteile:
- Stockbetten: zwar praktisch, aber im unteren Bett war die Kopffreiheit viel zu gering.
- Dinette-Umbauten: Rückbank und Vordersitze zum Bett kombinieren – wir wollten nicht jeden Abend umbauen.
- Matratze über Fahrerhaus: ebenfalls gängig, aber keine dauerhafte Lösung für uns.
Damit war klar: Wir würden unser Fahrzeug selbst ausbauen, um drei feste Schlafplätze ohne Umbau zu haben.
Entscheidung für den Kastenwagen
Bei der Fahrzeugklasse entschieden wir uns für einen Kastenwagen mit rund 6 m Länge:
- Kompakt genug für Städte und Parkplätze.
- Groß genug für Bett, Sitzgruppe, Küche und Stauraum.
- H2-Höhe für volle Stehhöhe im Innenraum.
Damit blieb als beste Basis der Peugeot Boxer L3H2 – baugleich mit Fiat Ducato und Citroën Jumper.
Alternative Basisfahrzeuge
Wir haben uns auch Mercedes Sprinter, VW Crafter, Opel Movano und Renault Master angesehen. Doch alle hatten denselben Nachteil: zu schmal für ein Querbett, schlechteres Verhältnis von Außenlänge zu nutzbarer Innenlänge.
Eine Überlegung war auch ein L3-H3, also etwas länger und höher. Auf dem Gebrauchtmarkt fanden wir jedoch nur L4-H3 (ca. 6,40 m). Für uns war das zu lang – wir wollten unter 6 m bleiben.
Was bedeutet Sevel?
Die Fahrzeuge Ducato, Boxer und Jumper stammen aus den Werken der Sevel (Società Europea Veicoli Leggeri / Société Européenne de Véhicules Légers). Dieses Joint Venture von Fiat und PSA produziert seit 1978 leichte Nutzfahrzeuge. Durch die Kooperation sind die Modelle baugleich – ein Vorteil beim Ausbau, weil es viel Zubehör und Erfahrung gibt.
Das Fahrzeug im Detail
Wir entschieden uns letztlich für einen:
- Peugeot Boxer L3H2
- 2,0 HDI mit 131 PS
- Light-Fahrwerk mit 3,3 t zulässigem Gesamtgewicht
- Drei Jahre alt, 157.000 km
Ausstattung
Für uns entscheidend waren:
- Beifahrer-Airbag – schwer zu finden, aber sicherheitsrelevant.
- Klimaautomatik – kein Muss, aber spürbar komfortabler als eine einfache Klimaanlage.
- Rückfahrkamera – erschien sinnvoll, erwies sich aber als wenig nützlich (Originalkamera qualitativ schwach, später ersetzt).
Motorenwahl – was wir gelernt haben
2,2-Liter Puma-Motor – problematisch
Dieser Motor war auch in Ford Transit/Nugget verbaut und gilt als anfällig. Viele raten vom Kauf ab. In Foren wird er oft als Problemmotor bezeichnet.
2,0-Liter HDI – unsere Wahl
Unser 2,0 HDI läuft zuverlässig. Nur das AdBlue-Dosierventil war einmal defekt, ließ sich aber günstig beheben. Bekanntes Thema: das gesamte AdBlue-System, insbesondere die Tanks.
Wir selbst hatten bislang Glück: Von der Tank-Problematik sind wir verschont geblieben. Vielleicht liegt es daran, dass wir seit Beginn vorsorglich ein Additiv der Marke Tunap verwenden. Das Mittel gibt es auch bei Amazon (Tunap AdBlue-Additiv) – Hinweis: Werbelink. Ob es wirklich hilft, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber Fakt ist: Seit wir es einsetzen, hatten wir keinerlei neue Probleme. Da die Kosten gering sind, setzen wir es konsequent ein.
Ein weiterer Punkt ist die Qualität des AdBlue selbst. Viele Nutzer berichten, dass Probleme mit dem System auch durch minderwertiges AdBlue aus dem Baumarkt oder Supermarkt entstehen können. Wir halten uns deshalb an die Empfehlung, kein Kanister-AdBlue vom Discounter zu kaufen. Stattdessen füllen wir nur an der Tankstelle, wo der Durchsatz hoch ist und die Qualität stimmt.
2,3-Liter Multijet – die Empfehlung
Viele halten den 2,3-Liter-Diesel (Iveco F1A) für die beste Wahl: solide, langlebig und robust. Auf dem Gebrauchtmarkt allerdings deutlich schwerer zu finden.
3,0-Liter Diesel – sehr robust, aber eingestellt
Der 3,0-Liter-Diesel (Iveco F1C, Multijet/3.0 HDi) gilt als extrem robust. Er wurde allerdings um 2016 eingestellt – vermutlich aus Emissions- und Effizienzgründen. Heute sind Fahrzeuge mit diesem Motor nur noch gebraucht, meist aus Baujahren bis 2014/2015, verfügbar.
Fahrwerk: Light vs. Maxi – mehr als nur Gewicht
Wir entschieden uns für das Light-Fahrwerk mit 3,3 t. Im Nachhinein eine Entscheidung mit Licht und Schatten.
Vorteile Light-Fahrwerk
- Ca. 40–50 kg leichter als das Maxi.
- Bei manchen Versionen sind 16-Zoll-Räder verbaut – das verbessert den Fahrkomfort spürbar.
Nachteile Light-Fahrwerk
- Serienmäßig meist nur 15-Zoll-Räder → holpriger, schlechterer Komfort.
- Schwächere Bremsen.
- Keine Möglichkeit, so weit aufzulasten wie beim Maxi.
Unser Weg: Wir haben später mit einer Zusatzluftfederung auf 3,5 t aufgelastet. Das funktioniert, ist aber mit Aufwand verbunden.
Erfahrungen nach mehreren Jahren
- Die Fahrzeuggröße (L3H2, 6 m) ist für uns perfekt: handlich und trotzdem ausreichend Raum.
- Der Motor läuft zuverlässig, kleine AdBlue-Themen ausgenommen.
- Das Fahrwerk mit Light-Chassis war nicht optimal, ließ sich aber mit Auflastung korrigieren.
- Ausstattung wie Klimaautomatik und Beifahrer-Airbag bewähren sich, die Rückfahrkamera war überflüssig.
- Verfügbarkeit prüfen: Nach Corona waren Gebrauchte rar, Neuwagen hatten Lieferzeiten von 12+ Monaten.
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Motorauswahl:
- 2,2 l Puma-Diesel: problematisch, besser meiden.
- 2,0 l HDI: solide, AdBlue im Blick behalten. Additiv wie Tunap kann helfen (Werbelink).
- 2,3 l Multijet: sehr empfehlenswert, schwerer zu finden.
- 3,0 l Multijet: robust, aber nur in älteren Baujahren (bis ca. 2016).
- Fahrwerk: Light (leichter, aber holpriger) vs. Maxi (besserer Komfort, Reserven, Bremsen).
- Breite beachten: Querbett praktisch nur bei Ducato/Boxer/Jumper möglich.
- Länge realistisch planen: Unter 6 m → flexibler & günstiger; 6,40 m (L4H3) sperriger.
- Ausstattung: Klimaautomatik bringt Komfort, Beifahrer-Airbag ist selten, aber empfehlenswert.
Fazit
Unsere Entscheidung für den Peugeot Boxer L3H2 war genau richtig. Er vereint Alltagstauglichkeit mit dem Raum, den wir für unseren Ausbau brauchten.
Nicht alles lief perfekt – beim Fahrwerk hätten wir im Nachhinein gleich das Maxi nehmen sollen. Doch insgesamt passt das Fahrzeug ideal zu uns. Die Motorisierung ist zuverlässig, die Größe stadt- wie reisetauglich, und die Ausstattung hat sich bewährt.
Am wichtigsten: Wir haben jetzt ein Fahrzeug, das uns die Freiheit gibt, spontan loszufahren – ohne Umwege über Stellplätze, ohne langes Umräumen. Genau diese Freiheit war unser Ziel, und sie haben wir mit unserem Boxer erreicht.